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Gewalt gegen Lehrer

Lehrer*in wird mit Papierbällen beworfen
Wissen und Bildung
© stock.adobe.com/kikovic
von Christine Kammerer

Gewalthandlungen gegen Lehrer an deutschen Schulen wurden lange nicht öffentlich thematisiert. Meist mit dem Argument, dass es sich meist um Ausnahmen und Einzelfälle handelte. Hinter solchen Aussagen kann man sich heute jedoch nicht mehr verstecken, denn inzwischen ist Gewalt gegen Lehrer an der Tagesordnung und hat erschreckende Formen angenommen... 

Lesedauer:
3 min

Gewalt gegen Lehrer – ein weiterhin unterschätztes Problem

Bei den Betroffenen selbst ist die Scham nach wie vor groß. Viele sprechen nicht darüber, insbesondere bei psychischen Verletzungen oder Übergriffen. Auch beklagen Lehrkräfte eine wenig kooperative Haltung der übergeordneten Ministerien. Das Thema kann sich zwar allmählich aus der Tabuzone befreien, dennoch besteht weiterhin großer Aufklärungs- und Handlungsbedarf.

Was versteht man unter Gewalt gegen Lehrer?

Gewaltbereitschaft ist nicht auf bestimmte Schularten beschränkt. Täter sind nicht immer Schüler – auch Eltern wenden gelegentlich Gewalt an. Unterschiede bestehen vor allem zwischen körperlicher und psychischer Gewalt:

  • Körperliche Gewalt: Schläge, Tritte, Bisse oder das Bewerfen mit Objekten. Kommt häufiger an Grundschulen vor (32 % vs. 12 % an Haupt- und Realschulen).

  • Psychische Gewalt: Erniedrigungen, Beleidigungen, Bedrohungen oder Mobbing, auch Cybermobbing. Diese Formen sind schwerer zu erkennen, treten aber in allen Schularten auf (Gymnasien: 33 %, Haupt-/Realschulen: 36 %).

Wie viele Lehrkräfte sind betroffen?

Studien des VBE zeigen, dass Gewalt an Schulen weit verbreitet ist:

  • Mehr als 50 % der befragten Lehrer berichten von psychischer Gewalt; ein Viertel war selbst betroffen.

  • 21 % gaben an, körperliche Gewalt erlebt zu haben; sechs % waren selbst betroffen.

Die Polizei registriert einen steigenden Beratungsbedarf, und auch die Schulleitungen bestätigen diese Tendenz.

Schlechter Rückhalt durch Ministerien

Während Lehrkräfte meist guten Rückhalt bei ihren Schulleitungen haben, kritisieren diese die mangelnde Unterstützung durch Politik und Verwaltung. Häufig genannte Probleme:

  • Uneinsichtige Schüler (63 %)

  • Nicht kooperative Eltern (59 %)

  • Unzureichendes Engagement der Schulministerien (ca. 1/3)

  • Zu bürokratische Meldungen (1/5)

Schulleitungen vermuten, dass Ministerien Ignoranz zeigen und negative Fakten aus Angst vor Reputationsverlusten verschleiern.

Handlungsbedarf: Gewalt gegen Lehrer eindämmen

Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, betont, dass Gewalt gegen Lehrer weder verschwiegen noch bagatellisiert werden darf. Er fordert:

  • Statistiken müssen geführt und veröffentlicht werden.

  • Betroffene Lehrkräfte sollen volle Unterstützung erhalten, inklusive unbürokratischer Meldungen und schneller Hilfe.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann weist darauf hin, dass die Autorität von Lehrkräften in den letzten Jahrzehnten gelitten habe. Schulpsychologe Siegfried Hümmer beobachtet, dass psychische Gewalt manche Lehrkräfte arbeitsunfähig macht – ein Problem angesichts des Lehrermangels.

Fest steht: Schweigen hilft niemandem. Lehrer müssen klare Werte vermitteln, Kinder und Jugendliche Respekt und Grenzen lehren. Politik, Verwaltung und Gesellschaft müssen sie dabei nach Kräften unterstützen.

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
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Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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